Wreck it Ralph – Teil 2

Wie sieht ein abgestürztes Computerspiel aus Sicht des Spiele-Charakters aus? Wen diese Frage schon immer beschäftigt hat, sollte „Chaos im Netz“ („Wreck it Ralph 2 – Ralph breaks the Internet“) sehen. Der erste Teil „Ralph reicht’s“ („Wreck it Ralph“) war eine Hommage an die Achtziger-Jahre-Spielhöllen und die dort vertretenen Arcade-Geräte. Der zweite Teil spielt sechs Jahre später und ist ein eigener Film, für den man den ersten Teil nicht kennen muss. Die Spielhölle aus dem ersten Teil hat die Jahrtausendwende überlebt und schließt das neue Spiel „WiFi“ an, welches keinem der Achtziger-Jahre Spielcharaktere etwas sagt – die neueren Ego-Shooter-Charaktere kennen das Internet hingegen.

Als beim Gerät des Spiels Sugar-Rush – einem Autorennen – das Lenkrad abbricht, soll das Spiel endgültig abgeschaltet werden. Die Charaktere müssten in dem Fall alle in die „Central Station“ fliehen, also den Mehrfachstecker, der alle Spiele-Automaten verbindet und als Bahnhof fungiert. Dort suchen sie andere Spiele, die sie aufnehmen. Die Hauptcharaktere aus dem ersten Teil, Ralph und Vanellope, machen sich auf ins Internet, um ein neues Lenkrad zu besorgen. Unerfahren in der echten Welt und geistig aus den Achtzigern stammend erleben sie dort ein Abenteuer nach dem anderen.

Zunächst ist es immer schwer, das Internet darzustellen. Den Älteren dürfte die Variante der „Sendung mit der Maus“ im Kopf sein und wie der HTTP-Request durch die langen Flure des ZDF-Gebäudes rannte. Gut erklärt, aber nicht mehr zeitgemäß. In „Chaos im Netz“ ist die Darstellung gut gelungen: Selfies, Katzen, Spam – und eine Karriere dauert etwa fünfzehn Sekunden. Der etwas simple, aber gutmütige Ralph und die völlig überdrehte Vanellope schaffen es zwar, das Lenkrad zu ergattern, können es mangels Geld aber nicht bezahlen und müssen sich Jobs suchen. Dabei geraten sie ins Darkweb und lernen Dinge wie Viren und DOS-Attacken kennen.

Neben der eigentlichen Handlung ist der Film voller Referenzen auf andere Filme, Spiele und Memes, und Disney hat kein Problem, sich über das klischeehafte Rollenbild seiner Prinzessinnen lustig zu machen. Ein Hauch von Sozialkritik (Flüchtlinge, Sexismus, Diskriminierung) kommt an einigen Ecken vor, ohne dass die große Moral-Keule geschwungen wird. Ein bisschen erinnert die Flut der Pop-Cult-Referenzen an „Ready Player One“ – ist dann aber doch dezenter gestreut.
Natürlich gibt es ein Happy End – aber doch anders, als man es erwarten würde. In diesem Film lohnt es sich, bis zum Ende sitzen zu bleiben. Zum einen gibt es einen sehr bösen Bonus-Gag im Abspann, zum anderen folgt ein Preview zu „Frozen 2“, welcher ebenfalls eine Meme-Referenz enthält.

Jüngere dürften ihn einfach lustig finden, Pop-Cult erfahrene Menschen könnten auch die teils sehr anzüglichen Referenzen verstehen. Der Film taugt also für die ganze Familie genau so gut, wie für einsame IT-Fachkräfte.