ZER – ein sehenswerter Film

Bei der Premiere in der Türkei sah man im Film „Zer“ 3.5 Minuten lang “Diese Szene können Sie nicht sehen, da sie von der Regierung zensiert wurde” – Und das bei einem Film, der staatliche Filmförderung in der Türkei erhalten hatte. Ein Skandal. Die Verträge mit mehr als 100 Kinos, die den Film zeigen wollten, waren hinfällig. Ein finanzielles Desaster – aber ein klares Statement vom Filmemacher Kazim Öz.

Aber der Film ist gar nicht skandalös, greift niemanden an, ist ruhig geschnitten. Es geht um den US-Türken Jan (Nik Xhelilaj), welcher mit der Türkei wenig zu tun hat. Mit seiner Familie auch nicht. Die ihm Fremde Großmutter kommt in die USA um dort in einem Krankenhaus behandelt zu werden. Auf dem Sterbebett erzählt sie ihrem Enkel von ihren Alpträumen vom Dersim-Massaker und vom Lied “Zer”. Beerdigt wird sie in der Türkei. Von der Beerdigung aus macht sich Jan auf den Weg den Ursprung des Liedes zu finden. in Gewisser Art ist es ein Roadtrip, eine Reise zu seinen Wurzeln und eine Selbstfindung. die Szenen sind teilweise Lang und ohne direkte Handlung, aber gut und schön anzusehen ohne langweilig zu werden. Der Film ist teilweise Englisch, meist Türkisch und wenig Kurmanci, aber deutsch untertitelt. Die Untertitel sind für eine deutsche Zielgruppe gut, aber es geht einiges verloren, was man sonst erst erklären müsste. So wird aus einem “Nicht dass der vom MIT ist” ein “Nicht dass er Geheimagent ist” – was ja nicht falsch ist, aber im Details eben anders. Aber so kann man auch ohne Vorwissen gut dem Film folgen.

Auf seinem Weg durch die Türkei gibt es eine Szene, die für die Handlung des Films gar nicht so wichtig ist. Jan, dessen Verkehrsmittel immer kleiner werden, ist zu Fuß in den Bergen unterwegs und trifft auf einen PKK Kämpfer. Beide sind irritiert, den anderen zu sehen, der PKK Mann bietet Tee an und zeigt ihm den richtigen Weg und ihre Wege trennen sich wieder. Diese eine Szene war es, die zur Zensur des bereits geförderten Filmes geführt hat.

Der Film ist für jeden etwas, der Filme über das Leben, Kurden, die Türkei oder Reisen mag. Es ist aber kein plumpes Hollywood Kino mit Liebesstory, Action und Happy End. Dafür immer wieder sehr unterhaltsam, auf seine ganz eigene Weise.

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