Zitatgeber der Deutschen Welle dementiert – erfolglos

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Talking to Gouverneur Najmaldin Karim

Die Deutsche Welle berichtet am 21.01.2016: “Der Gouverneur der Provinz von Kirkuk, Nadschmeddin Karim, bestätigte, die kurdische Regierung sei mangels finanzieller Mittel nicht in der Lage, Staatsbedienstete – darunter auch die Peschmerga-Kämpfer – regelmäßig zu bezahlen.”. – Seine Aussage wird neben die Aussage gestellt, die Peschmerga würden die von der Bundeswehr gelieferten Waffen auf dem Basar verkaufen. Da ich mehrmals mit ihm gesprochen habe fragte ich ihn damals schon, ob diese Aussage von ihm korrekt sei. Er dementierte sofort, sprach auch mit anderen Medien darüber und stellte klar: “Speaking to Rudaw English however, the governor „categorically rejected“ the DW report as false, saying that he never said anything to any reporter to the effect of Peshmerga selling their weapons.” (“Im Gespräch mit Rudaw „lehnte der Gouverneur den DW-Bericht jedoch kategorisch ab“ und sagte, dass er niemals zu Reportern etwas über Peschmerga gesagt habe, die ihre Waffen verkauft hätten.”). Nebenbei ist der Vorname des Gouverneurs nicht Nadschmeddin, sondern Najmaldin. So steht er in seinem US-Ausweis, in seinem Facebook-Profil, so schreibt er sich selbst und so wird sein Name von den lokalen Medien geschrieben, die häufig mit ihm sprechen.

Also rief ich die Deutsche Welle an und fragte, wie es zu diesen unterschiedlichen Ansichten kommen konnte. Man wolle das prüfen und sich melden. Ich rief nach einigen Wochen erneut an – wieder die gleiche Antwort. Es entstand der Eindruck, man habe gar kein Interesse an der Frage. Vor einigen Wochen war ich als Interviewpartner im Studio der Deutschen Welle und fragte erneut nach – leider gab es auch hier keine klare Antwort.

Also fragte ich ein weiteres mal an, diesmal schriftlich.

1) Der Gouverneur schreibt sich selber „Najmaldin“, so steht sein Name auch in unseren Zeichen in seinem US-Pass. Ist der Name bei ihnen schlichtweg falsch geschrieben, oder haben Sie einen Grund für diese Schreibweise?

2) Dr. Karim sagte mir persönlich, dass er nie mit der Deutschen Welle über diesen Thema gesprochen habe. Sein Assistent fand auch keinen Termin, der passen könnte. Können Sie mir sagen, wann das Gespräch stattfand, um diesen Punkt zu klären?

3) Dr. Karim bestreitet mir und anderen Medien gegenüber, inhaltlich eine solche Aussage getroffen zu haben. In den Gesprächen mit mir hat er ebenfalls eine andere Auffassung vertreten. Können Sie in den Mitschnitt gucken und diese Aussage prüfen?
http://www.rudaw.net/english/kurdistan/220120161

4) Meiner Kenntnis nach muss die irakische Zentralregierung für den Sold der irakischen Streitkräfte aufkommen. Die Peschmerga zählen seit 2005 dazu. Als die Zahlungen ausfielen, übernahm die US-Regierung die Zahlung von 2.9 Mrd. US$, um dies zu überbrücken. Woher leiten Sie ihre andere Rechtsauffassung ab?

Die Antwort der DW auf all diese Fragen war überraschend kurz:

Dieser zweieinhalb Jahre alte Beitrag beruht auf den im Artikel angegebenen Quellen afp und ARD. Artikel hierzu erschienen so ähnlich auch in anderen Medien: Welt, Focus, N-TV, FAZ.. In all diesen Artikeln ist einer der O-Ton Geber ein Nadschmeddin Karim – in ebendieser Schreibweise. Sollte Herr Najmaldin/Nadschmeddin nach so langer Zeit nicht mehr so zitiert werden wollen, kann er sich gerne bei uns melden. Wir leiten seine Nachricht dann entsprechend an die zuständige Redaktion weiter.

Die Fragen werden nicht beantwortet und man wälzt die Verantwortung für den eigenen Artikel auf andere Medien ab. Das ist, was dem Klischee der Bildzeitung entsprechen würde. Bei einem staatlich finanzierten Medium würde ich aber zum einen erwarten, dass Namen korrekt geschrieben oder wenigstens korrigiert werden. Zum anderen wäre ich davon ausgegangen, dass man der Geschichte nachgeht, wenn der angebliche Zitatgeber gegenüber der Presse alles dementiert und als “falsch” betitelt. Das Interesse der Deutschen Welle an diesem Thema scheint aber eher gering zu sein.